Wappen der Hamburgischen Bürgerschaft

Gerhard Lein MdHB

01.09.2016 10:00

Unsere wunderbare Landwirtschaft


Zum dritten Mal in diesem Sommer war ich im Landgebiet in Hamburgs Süden unterwegs.

Der Grund dafür ist schlicht und ergreifend, die umfangreiche Arbeit der Landwirte, ihre Produktionen und Erzeugnisse zu kennen und auf dem Laufenden zu bleiben. Auf jeden Fall mit ihnen zu sprechen und die Sorgen und Nöte in Erfahrung bringen.

Ich meine, wir alle sollten wissen, was wir als Konsumenten essen und kaufen und womit wir unsere Gärten und Balkone bestücken. Ebenso lege ich als Politiker großen Wert darauf, über die Probleme bei der Produktion informiert zu sein, um damit eine Politik zu unterstützen, die vorbeugend und lösungsorientiert arbeiten kann. Das gilt für die Landwirte und die Konsumenten.

Bei dieser 3. Sommer-Tour habe ich unseren Bundestagsabgeordneten Metin Hakverdi, MdB, gebeten dabei zu sein. Alle drei Touren wurden organisatorisch und unterstützend von der Landwirtschaftskammer Hamburg begleitet. Ebenso dabei waren auf allen drei Fahrten Bezirksabgeordnete aus Harburg und Bergedorf, sowie mein Kollege der Hamburgischen Bürgerschaft Gert Kekstadt, MdHB, der landwirtschaftspolitischer Sprecher unserer Fraktion ist.

Am Dienstag, den 23. August, galt unser erster Besuch dem Gemüsebaubetrieb von Kai Sannmann am Moorfleeter Deich (nicht der Demeter-Betrieb, der gehört seinem Bruder). Herr Sannmann hat uns guter Dinge seine Anbaufläche (unter Glas und auf Freiland) gezeigt und uns über seinen Vertrieb über den Großhandel informiert: Tomaten, Paprika, Gurken und verschiedenste Salate. Der Familien-Betrieb Sannmann legt - wie die meisten unserer landwirtschaftlichen Betriebe - großen Wert auf einen für Konsumenten erkennbaren regionalen Bezug. Wie wir wissen, ist das leider keine Selbstverständlichkeit bei dem Selbstverständnis unserer großen Supermarkt-Ketten. „Frisch und freundlich“ ist eine gute Beschreibung für Herrn Sannmann und sein Unternehmen.

Landwirtschaft ohne Tiere ist nicht denkbar. Deswegen haben wir uns als zweite Station einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Pferdehaltung, Rindern, Getreide und Grünland vorgenommen. Der Reitbetrieb Eggers bietet zwei Familien Existenzgrundlage. Er wurde 1998 mit dem Bau einer Reithalle und einiger Pferdeboxen für Pensionspferde ausgestattet. Der Betrieb lebt von der Pferdezucht, der Vermietung von Pferdeboxen, dem Angebot von Reitstunden und bietet ambitionierten Turnierreitern ebenso wie Freizeitreitern Einstellmöglichkeiten mit - wenn gewünscht - Vollversorgung und Unterricht an. Auslaufflächen für Pferde und Rinder, eigenes Grünland zur Futterproduktion, Getreideflächen. Einzig Stroh muss in geringen Mengen zugekauft werden. Die damit verbundenen Herausforderungen wurden während des Rundgangs (aber auch in einer anschließenden Runde bei deftigem Wurstbrot) angesprochen und werden in weiteren ausführlicheren Gesprächen weiter geführt.

Wünsche an uns Politiker waren wie immer dabei (z.B. Öffnung von Wegen als Reitwege) wurden registriert und Unterstützung zugesagt. Ein Nebeneffekt dieser Station für uns alle: Es war uns allen ein Augenschmaus, diese wunderschönen Tiere betrachten zu dürfen.

In diesem Betrieb steckt viel Pferdeliebe und Leidenschaft.

Als Nächstes haben wir den Gartenbaubetrieb Albers in den Vier- und Marschlanden besucht. Es handelt sich um einen familiengeführten Produktions- und Ausbildungsbetrieb, der auf einer Produktionsfläche von 1,3 ha auf Stauden und zahlreiche Sorten winterharter Kräuter, sowie Beet-und Balkonpflanzen spezialisiert ist. Der Betrieb setzt seine Produkte im gesamten norddeutschen Raum ab. Die Familie Albers führt ihr Unternehmen mit enormer Flexibilität, was die Grundlage für ihre erfolgreiche Arbeit ist. Unter anderem haben wir hier Erstaunliches und Wissenswertes über die Schädlingsbekämpfung z.T. ganz ohne künstliche Pflanzenschutzmittel gelernt.

Die letzte Anlaufstelle für unsere Landwirtschaftsbereisung war der Obstbaubetrieb Harms am östlichen Rand des Alten Landes in Hamburg-Francop. Der Betrieb hat heute eine Größe von ca. 21 ha Eigentumsfläche, sowie 3,5 ha Pachtfläche. Auf 20 ha wird Obst angebaut: Äpfel, Birnen, Süß- und Sauerkirschen, Pflaumen und Zwetschgen. Wir waren beeindruckt von der 500t-Lagerkapazität. Das Obst wird ausschließlich im eigenen Betrieb sortiert und dann unter sorgfältiger Kontrolle der Temperatur- und „Luft“-Bedingungen (computergesteuerte Gaszusammensetzung) gelagert, um die anhaltend hohe Qualität und Frische zu gewährleisten. Die Technik der Lagerung hat uns schwer beeindruckt. Obstkunden sind nicht beständig. Apfelsorten wechseln wie Moden, deshalb werden immer wieder neu gezüchtete Sorten auf den Markt gebracht. Das erfordert hohe Flexibilität des Produzenten. Und die Wetteranfälligkeit z.B. der Kirschen mit guter Ernte in einem, miserabler im anderen Jahr, lässt Überlegungen reifen, dieses Obst bald gänzlich unter Glas anzubauen, um stabile Erträge zu sichern.

Den Tag haben wir bei einer Kaffeetafel mit Zwetschgenkuchen auf einem herrlich idyllischen Fleckchen Erde auf dem Hof Harms ausklingen lassen. Unser Bundestagsabgeordneter bedankte sich mit Rotspon aus Bergedorf.

In allen Betrieben, die wir besucht haben, arbeitet die Familie zusammen. Meistens stehen die Nachfolger schon in den Nachkommen fest. Ohne den Rückhalt der Familie wäre es wohl sehr viel schwieriger, die Unternehmen zu betreiben. Ich habe große Respekt vor dieser risikoreichen und harten Arbeit.

Gerade in einer Zeit, in der die Nachfrage nach regionalen Produkten immer größer wird sollte es uns ein großes Anliegen sein, uns für die Betriebe vor Ort zu interessieren. Nach diesen ausgiebigen drei Tagen in unserer Hamburger Umgebung, bin ich sehr zuversichtlich über die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Produkte in unserer Region.